Westernreiten
Welches Mädchen träumt nicht davon, auf einem feurigen Pferd in den Sonnenuntergang zu reiten? Die Tatsache, warum es in Deutschlands Süden mehr Westernreiter als im Rest der Republik gibt, erklärt sich relativ einfach. Es hat mit der deutschen Geschichte zu tun.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde Deutschland von verschiedenen Besatzungsmächten besetzt. Dies waren die Russen im Osten, die Franzosen und Engländer in der Mitte und speziell im Süden die Amerikaner. Sie brachten ihre Reitweise und teilweise ihre Pferde mit. Der Reitsport der Deutschen hatte militärischen Ursprung. Auch heute noch sind verschiedene Kommandos daher abgeleitet (z. B. Abteilung… rechts schwenkt Marsch! usw.). Da hingegen sind die Westerndisziplinen eine erfreuliche Abwechslung.
So stiegen viele, die den Drill in den herkömmlichen Reitanlagen nicht mochten um, und wurden Freizeitreiter oder Westernreiter. Um dem Klischee des Western zu untermauern, gibt es dort die sprichwörtliche Lagerfeuerromantik, was viele Mädchen zu diesem Sport hinzieht.
Um aber die Vielzahl an Interessenten und Neueinsteiger mit dem passenden Pferdematerial zu versorgen benötigte man Westernpferde und dafür waren die deutschen Pferderassen nicht unbedingt geeignet.
Für die Westernreitweise benötigt man ein muskulöses und im Quadrattyp stehendes Pferd. Gerade für kurze Wendungen, schnelle Galoppaden rasante Stopps eignen sich eben die amerikanischen Rassen hervorragend. Da oben wurden immer mehr Quarter Horses, Paints und Appaloosas importiert und infolge hier weiter gezüchtet. So entstanden dann die ersten deutschen Zuchtverbände für Westernpferde wie die Deutsche Quarter Horse Association (DQHA), der Paint Horse Club Germany (PHCG) in Anlehnung an die American Paint Horse Association (APHA), der Appaloosa Horse Club Germany (ApHCG) und der Appaloosa Horse Club (ApHC).
Und der Boom auf die Westernreiterei hält noch immer ungebremst an. Mit den verschiedenen Disziplinen wie Reining, Working Cowhorse, Western Horsemanship, Western Pleasure oder Showmanship at Halter findet jeder Interessierte auch eine für sich passende Reitdisziplin. Im Westernsattel ist es bequem, so dass man auch lange Ausritte genießen kann. Auf Haflingern – die der Westernreiter aus gerne liebevoll als „Alpen-Quarter“ bezeichnet – ist man auch in bergigem Gelände gut unterwegs.
Der Reiz des Westernreitens liegt wahrscheinlich darin begründet, dass man so genannte Impulse gibt und man das Pferd nicht wie beim englisch Reiten permanent vorantreiben muss. So ist ein entspanntes Reiten möglich, was den Reiter nicht allzu sehr anstrengt.
Und so freuen sich Westernreitschulen und Westerntrainer über regen Zulauf. Western Ranches mit Quarter Horses, Paints oder Appaloosas als Schulpferde erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Sowohl im Süden als auch im Norden.